Sudan-Forum stellt sich unter das Motto „Unity for Peace”.
Hannover. Politiker:innen aus Bundestag, Landtag und Kommune sowie internationale Gäste diskutierten am vergangenen Samstag auf Einladung von Umbaja e.V. in Hannover den aktuellen Konflikt im Sudan, der seit April 2023 eine der größten humanitären Krisen und Vertreibungen weltweit ausgelöst hat.
„Wir müssen uns alle für den Frieden einsetzen“ resümierte Dr. Bakry Eljack, Sprecher von Somoud (Civil Democratic Alliance for Revolutionary Forces). Die aktuelle Eskalation sei vorauszusehen gewesen. Strukturelle politische Defizite des Viel-Völkerstaats Sudan reichten zurück in die koloniale Vergangenheit. Mit Ausnahme einer kurzen Phase des Friedens hätten Militär, Islamisten und Putschisten das Land, die Bevölkerung und die Kultur zerstört und aufgerieben.
Marina Peter, langjährige Sudan-Expertin und Beraterin, konstatierte in ihrem Vortrag: „Die Zerstörung und Brutalität übersteigt unsere Vorstellungskraft. Sexualisierte Gewalt wird als Waffe eingesetzt. Die absolute Verachtung von Menschenleben und Menschenrechten durch alle Kriegsparteien ist furchterregend.“ Dabei erinnerte Peter an die besondere Verantwortung Deutschlands, das den Sudan in den 50ern als erstes Land anerkannt und eine enge Zusammenarbeit gepflegt habe, sowie an die Länderpartnerschaft zwischen Niedersachsen und Sudan in den 80er Jahren.
Boris Mijatovic, MdB - Bündnis 90/Die Grünen, hob die wirtschaftlichen Ursachen des Krieges hervor. Neben Erdöl und Gold sei auch die Landwirtschaft ein bedeutender Faktor: „Die Bauern müssen wieder Saaten ausbringen können.“ Angesichts der katastrophalen Versorgungslage seien die massiven Kürzungen der humanitären Hilfe sowie der Entwicklungszusammenarbeit im Bundeshaushalt ein großer Fehler.
Auch Martina Machulla, MdL Niedersachsen CDU, betonte, dass internationale Unterstützung und humanitäre Hilfe für den Sudan gestärkt werden müssten. Die fehlende öffentliche Aufmerksamkeit für den Sudan erschwere jedoch auch die Bereitstellung von Geldern.
Séverine Jean, stellvertretende Vorsitzende der SPD Hannover, plädierte für parteiübergreifende Resolutionen und Aktionen, um Aufmerksamkeit zu erhöhen und sich stärker für Frieden im Sudan einzusetzen.
Maren Kaminski, MdB - Die Linke, kritisierte sowohl Waffenexporte als auch die Partnerschaft der Bundesregierung mit Ländern, die direkt oder indirekt als Unterstützter von Kriegsparteien gelten.
Auch die Abkehr vom Lieferkettengesetz sei ein großer Rückschritt in Bezug auf den Schutz von Menschenrechten in Konfliktregionen. Große Unterstützung bekam die Forderung, die Täter über den Internationalen Strafgerichtshof für ihre Gräueltaten und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Rechenschaft zu ziehen. Hier könnte Deutschland wesentlich zu beitragen. Die Menschen im Sudan wollen Gerechtigkeit.
Ebenso müsse die Zivilbevölkerung im Sudan und auch in der Diaspora als Souverän ihres Landes anerkannt und beteiligt werden. Über alle gesellschaftlichen Grenzen hinaus müsse man sich zusammenschließen für den Frieden, so wie es der Slogan „Unity in Peace“ hoffnungsvoll ausdrückt.
Rund 40 Teilnehmende folgten der Einladung zum eintägigen Sudanforum im Pavillon in Hannover.
Das Forum endete mit der Absichtserklärung für die Gründung eines Advocacy-Netzwerks, in dem Migrant:innen, zivilgesellschaftliche und kirchliche Gruppen sowie Politiker:innen sich von Niedersachsen aus für die Menschen im Sudan einsetzen.
Ein nächster Termin steht bereits fest: Im Rahmen des „Gedenktag Flucht und Vertreibung“ wird der Sudan-Konflikt am 22. Juni 2026 von 18-20 Uhr im ZeitZentrum Zivilcourage in Hannover im Mittelpunkt stehen.
Hintergrund:
Die Veranstalter des Sudan-Forums möchten das Bewusstsein für eine vergessene und übersehene globale Tragödie schärfen. Deutschland trägt auf politischer und zivilgesellschaftlicher Ebene eine wichtige Rolle und Verantwortung dafür, gemeinsam mit den Menschen im Sudan und der sudanesischen Diaspora in Deutschland für Frieden, Demokratie und Menschenrechte einzutreten.
